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Parodontitis und Allgemeingesundheit

Es gibt verschiedene Allgemeinerkrankungen und gesundheitliche Umstände, die in Wechselwirkung mit der Parodontitis stehen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Parodontitis

Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird selten daran gedacht, dass Zähne die Ursache dafür sein könnten. Dabei haben Studien gezeigt, dass durch eine schwere, chronische Parodontitis das Risiko für Gefäßveränderungen erhöht ist. Hervorgerufen werden diese durch Bakterien, die in der Blutbahn zirkulieren und Entzündungsbotenstoffe freisetzen. Diese Parodontalkeime sind in der Lage, Gefäßinnenwände aufzurauen und zu versteifen, das Blut schneller verklumpen zu lassen und die Gerinnungsneigung zu erhöhen. So kann die Parodontitis zum Beispiel einen Herzinfarkt begünstigen.

Schlaganfall und Parodontitis

Eine schwere Parodontitis kann auch das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen. Vor allem bei Männern unter 60 Jahren kann sie offenbar die Ursache für einen Schlaganfall sein. Ähnlich wie beim Zusammenhang zwischen Parodontitis und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen dabei Bakterien beziehungsweise deren Entzündungsbotenstoffe eine Rolle. Sie werden aus den entzündeten Zahnfleischtaschen in den Blutkreislauf geschwemmt und können dort Gefäßveränderungen beziehungsweise -verschlüsse auslösen. Diese führen unter Umständen zum Schlaganfall.

Diabetes und Parodontitis

Zwischen Parodontitis und Diabetes gibt es wissenschaftlich bewiesene negative Wechselwirkungen. Ein Diabetespatient, dessen Blutwerte schlecht eingestellt sind, neigt zu Entzündungen. Durch sein oft geschwächtes Immunsystem können sich Mundbakterien stark vermehren, außerdem ist die Regenerationsfähigkeit des Zahnhalteapparates herabgesetzt. Das Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken, ist dadurch höher.

Umgekehrt bringen die parodontitisbedingten Entzündungsherde den Blutzuckerspiegel aus dem Gleichgewicht, weil die Zellen weniger Glukose aufnehmen können und das Insulin schlechter wirkt. Die Blutzuckerwerte steigen an, das Risiko für Diabetes mellitus erhöht sich. Bei Diabetikern mit Parodontitis ist festzustellen, dass die Blutzuckerwerte häufiger schwanken und sich nicht so gut einstellen lassen. Die Krankheit verläuft schwerer und ist weniger erfolgreich zu therapieren.

Atemwegserkrankungen und Parodontitis

Vor allem bei Älteren, Immungeschwächten und Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen können Bakterien, die aus der Mundhöhle in die Lunge gelangen, zu schweren Atemwegserkrankungen wie einer Lungenentzündung führen. Besonders groß ist die Gefahr bei Menschen, die rauchen. Denn zum einen schränkt das Rauchen die Funktion der Lunge ein, zum anderen steigt dadurch das Parodontitisrisiko.

Auch ein Zusammenhang mit schweren Covid-19-Verläufen ist nach derzeitigem Wissensstand nicht auszuschließen.

Demenz und Parodontitis

Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen lassen Auswirkungen einer Parodontitis auf das Gehirn vermuten. So zeigt eine Studie zum Beispiel, dass Zahnfleischschwund aufgrund von Parodontitis das Risiko für eine Alzheimer-Demenz erhöht. Die Behandlung einer Parodontitis kann laut der Wissenschaftler den Verlust von Gehirnsubstanz mindern, der für Alzheimer typisch ist.

Osteoporose und Parodontitis

Bei der Osteoporose schwindet die Knochenmasse und die Gefahr von Knochenbrüchen steigt deutlich. Nicht nur Wirbel, Beckenknochen, Arme, Finger oder der Oberschenkelhals können betroffen sein. Auch am Kieferknochen lässt sich Osteoporose nachweisen. Vieles deutet daraufhin, dass Osteoporose ein Risikofaktor für Parodontitis sein kann. So hat sich gezeigt, dass Frauen mit Osteoporose während und nach den Wechseljahren mehr Zähne verloren haben als Frauen derselben Altersgruppe mit einer normalen Knochendichte.

Wer an Osteoporose leidet und Bisphosphonate einnimmt, sollten dies unbedingt seinem Zahnarzt mitteilen. Nach chirurgischen Eingriffen bei Bisphosphonat-Therapie können Wundheilungsstörungen, Verlust oder Zerstörung des Kieferknochens auftreten. Parodontalbakterien können zusätzlich schwere Infektionen auslösen. Bei einer Bisphosphonat-Therapie ist es besonders wichtig, den Mund durch gute Pflege, regelmäßige Zahnarztkontrolltermine und Professionelle Zahnreinigungen möglichst entzündungsfrei zu halten.

Rheuma und Parodontitis

Der Zusammenhang zwischen Parodontitis und rheumatischen Erkrankungen ist noch nicht vollständig erforscht. Fest steht jedoch: Die Krankheiten verlaufen nach ähnlichen Entzündungsmustern – bei der Parodontitis ist dabei der Zahnhalteapparat betroffen, bei Rheuma sind es die Gelenke. Studien zeigen, dass Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis deutlich häufiger an einer Parodontitis leiden als Patienten ohne Rheuma. Umgekehrt gilt: Wird eine Parodontitis konsequent behandelt, sinken auch die Entzündungswerte von Rheumapatienten im Blut und Beschwerden wie steife Gelenke oder Schmerzen durch geschwollene Gelenke lassen nach.

Bei einer wissenschaftlichen Untersuchung ließen sich Antikörper eines Parodontitiskeims in der Gelenkflüssigkeit von Patienten mit rheumatoider Arthritis nachweisen. Diese Bakterien könnten demnach für die Entstehung von Gelenkentzündungen mitverantwortlich sein.

Dialyse und Parodontitis

Eine chronische Entzündung in der Mundhöhle wie die Parodontitis belastet den Körper dauerhaft. Gerade bei Menschen, die auf die Dialyse angewiesen sind, ist es wichtig, dass eine solche Dauerbelastung ausgeschaltet wird. Denn ihr Organismus ist ohnehin geschwächt und die Abwehrkräfte werden unter Umständen der ausgeschütteten Bakterien nicht Herr. Deshalb empfiehlt sich unbedingt eine sanierende Behandlung, wenn Dialyse-Patienten an Parodontitis leiden.

Organtransplantation und Parodontitis

Vor einer Organtransplantation müssen parodontale Probleme und eventuelle Kariesschäden beseitigt werden. Organtransplantierte Menschen gelten in der zahnärztlichen Behandlung als Risikopatienten. Sie erhalten als Langzeittherapie Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (zum Beispiel Cyclosporin A). Diese Arzneimittel sollen die Abstoßung des transplantierten Organs verhindern. Häufig ist auch die Behandlung mit blutdrucksenkenden Medikamenten notwendig. Als Nebenwirkung dieser Arzneien entstehen oft Wucherungen des Zahnfleischs. Die Oberfläche des Zahnfleischs ist dann nicht mehr fest, sondern zerfurcht und blumenkohlartig verändert. Ein auf diese Weise verändertes Zahnfleisch ist schwerer zu pflegen und begünstigt die Bildung von bakteriellen Zahnbelägen. Eine Zahnfleischentzündung ist die Folge.

Schwangerschaft und Parodontitis

Auch auf eine Schwangerschaft kann eine Parodontitis negative Auswirkungen haben. Studien zeigen, dass eine Parodontitis das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Frühgeburt und ein geringes Geburtsgewicht erhöhen könnte.

Stand: 23.11.2021

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